Farben und Stimmung: der KI eine Palette beschreiben
„Gemütlich“ sagt einem Bildgenerator nichts. Zwei oder drei benannte Farben, ein Licht und eine Sättigung ergeben eine wiedererkennbare Stimmung.
Eine Buchhändlerin bereitet ihr Schaufenster zum Herbstanfang vor und bittet um ein Bild für ihre sozialen Netzwerke: „gemütliche, warme Stimmung, Herbstfarben“. Sie bekommt ein knallorangefarbenes Wohnzimmer, überall rote Blätter, ein gelbes Licht wie von einer Schreibtischlampe. Warm ist das, wie es ein Backofen ist. Was ihr vorschwebte, war sanfter: tiefes Grün, ein wenig Ocker, das Licht des späten Nachmittags auf Buchumschlägen.
Stimmungswörter (gemütlich, warm, elegant) haben tausend visuelle Übersetzungen, und das Tool wählt die häufigste, also die gesättigtste. Genau benannte Farben lassen viel weniger Spielraum.
Benenne die Farben, nicht nur ihre Wirkung
Ersetze das Adjektiv durch zwei oder drei konkrete Farben. Besonders wirksam sind Namen, die von Materialien oder Gegenständen stammen, weil das Tool davon tausende Beispiele gesehen hat: Salbeigrün, Nachtblau, Siena, Ziegelrot, Creme, Kieselgrau, Senf.
Gib auch ihre Rolle an. Eine gängige Designregel gibt einer dominanten Farbe den größten Teil des Bildes, einer zweiten etwa ein Drittel und einem Akzent einen sehr kleinen Anteil. So bekommst du einen einfachen Rahmen:
- die dominante Farbe: die Farbe des Hintergrunds oder der großen Flächen;
- die zweite: die der wichtigen Objekte;
- der Akzent: ein Tupfer, oft warm, der das Auge anzieht.
„Dominantes Salbeigrün, Objekte aus hellem Holz, Senfakzent auf nur einem Buch“ zeichnet ein Bild. „Herbstfarben“ zeichnet tausend.
Das Licht macht die halbe Stimmung
Dieselbe Palette wechselt die Stimmung je nach Licht. Einige Anhaltspunkte, die das Foto-Vokabular ergänzt:
| Licht | Übliche Wirkung |
|---|---|
| Später Nachmittag, tiefstehendes Licht | Warme Töne, lange Schatten, Ruhe |
| Bedeckter Himmel | Sanfte Farben, wenig Kontrast, ruhige Wirkung |
| Fensterlicht von der Seite | Volumen, weicher Schatten, Intimität |
| Warme Lampe in einem dunklen Raum | Starker Kontrast, Abendstimmung |
| Hartes Mittagslicht | Ausgeprägte Kontraste, kräftige Farben |
Sättigung und Kontrast
Viele Generatoren treiben die Farben ins Grelle. Für ein ruhigeres Bild ergänze ein Wort zur Intensität: „entsättigte Farben“, „Pastelltöne“, „gedämpfte Palette“, „Filmkorn“. Ein schwacher Kontrast ergibt Sanftheit, ein starker Spannung.
Hexadezimalcodes wie #7A8F6B werden von Bildgeneratoren selten buchstabengetreu umgesetzt. Der Farbname, begleitet von einem Zustandswort (tief, gepudert, verblasst), liefert ein vorhersehbareres Ergebnis. Hat deine Marke exakte Farben, die einzuhalten sind, generiere das Bild und passe die Töne dann in einem Bildbearbeitungsprogramm an.
Derselbe Prompt, vorher und nachher
Vorher, so wie die Buchhändlerin ihn geschrieben hatte:
cozy and warm bookshop window display, autumn colors
Nachher:
bookshop window display in late afternoon, books stacked on a wooden table, dominant deep sage green and cream, warm ochre accent on one cover, soft low sunlight from the left, muted desaturated palette, low contrast, fine film grain, shallow depth of field
Der zweite Prompt sagt drei Dinge, die der erste dem Zufall überließ: welche Farben dominieren, woher das Licht kommt und wie kräftig die Farben sind. Willst du einen Darstellungsstil ergänzen, etwa Aquarell oder Kupferstich, liefern die Kunststile das Raster dafür.
Wenn die Palette abdriftet
Hat ein Bild die richtige Stimmung, aber eine Dominante, die dir missfällt, ändere einen einzigen Farbnamen und starte neu. Zieht ein nicht bestelltes knallrotes Objekt alles auf sich, korrigiere die Stelle mit Inpainting. Um bei einer Serie dieselbe Stimmung zu halten, akzeptieren manche Tools ein Referenzbild, wie der Artikel über den effektiven Midjourney-Prompt zeigt.
Ein Test in zehn Minuten
Wähle ein Foto aus deinem Alltag, dessen Stimmung dir gefällt. Notiere drei Farben, die du darin siehst, das Licht und die Sättigung. Schreib den Prompt nur mit diesen Notizen, ganz ohne Wörter wie „gemütlich“ oder „warm“, und generiere vier Bilder. Erinnert dich eines an das Ausgangsfoto, behalte diese Notizen: Sie sind deine erste wiederverwendbare Palette.